Finn Fledermaus – Ein Bilderbuch über Lichtverschmutzung und nachtaktive Tiere

5. Juni 2026 | Waldpädagogik und Methodik | 0 Kommentare

Werbung

Die Autorin Alina Gries hat bereits einige spannende Naturthemen in ihren Bilderbüchern für Kinder aufgegriffen.

In ihrem neuesten Buch „Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht“ spricht sie mit der Lichtverschmutzung ein Thema an, das viele nicht unbedingt auf dem Schirm haben, wenn man von Umwelt- oder Tierschutz spricht.

Ich war deswegen sehr neugierig darauf, wie die Autorin dieses doch eher abstrakte und komplexe Thema aufbereitet hat.

Weshalb mich das Buch positiv überraschte, mich als Rangerin aber auch eine Szene stutzig machte, erfährst du in dieser Rezension.

Die Geschichte

Finn Fledermaus und das Blenden in der Nacht – ein Sachbilderbuch von Alina Gries – 2025 Selfpublishing

Die Geschichte beginnt dort, wo für viele Tiere der Tag erst anfängt: in der Dämmerung. Während die Vögel schlafen gehen, erwacht der Wald zum nächtlichen Leben. Finn Fledermaus macht sich auf die Jagd, Frida Fuchs und Werner Wildschwein schleichen durch das Unterholz und Nina Nachtfalter fliegt von Blüte zu Blüte.

Doch plötzlich wird die Nacht zum Tag: Grellweisses Licht flutet den Wald. Strassenlaternen sind angegangen und stören das natürliche Gleichgewicht der Dunkelheit. Die Tiere geraten in Panik und suchen verzweifelt nach dunklen Verstecken. Die Insekten werden von den Lampen angezogen und finden den Weg nicht mehr zurück.

Finn Fledermaus versucht zunächst allein, das Licht mit seinen Flügeln abzuschirmen, doch es sind zu viele Lampen. Da ruft er seine Fledermaus-Freunde zu Hilfe. Gemeinsam spannen sie ihre Flügel vor die Lichtquellen, bis der Wald wieder dunkel genug ist, damit sich alle sicher fühlen können.

Am Ende der Geschichte wird das Problem auch aus menschlicher Sicht beleuchtet: Ein Kind bemerkt im Schein der Laternen, dass man deswegen die Sterne nicht mehr sehen kann. Die Eltern erkennen, dass zu viel Licht die Nacht zerstört.

Im Anschluss an die Geschichte folgen informative Seiten über verschiedene künstliche Lichtquellen, Tipps was jedeR Einzelne gegen Lichtverschmutzung tun kann, sowie ein Glossar mit weiterem Umweltwissen.

Illustrationen

Die Bilder sind stimmungsvoll und in sanften Nacht-Tönen gehalten, die den Übergang von der Dämmerung zur tiefen Nacht und zurück wunderbar einfangen.

Im Vergleich zum ersten Buch von Alina Gries Egon Eichhorn fällt eine (für mich) positive Entwicklung auf: Die Tiere tragen keine menschlichen Accessoires mehr. Kein Schal, keine Brille, keine Elvis-Tolle. Sie wirken natürlicher.

Dennoch sind die Gesichter der Tiere stark vermenschlicht und sehr verniedlicht dargestellt. Sie haben grosse, ausdrucksstarke Augen und menschliche Züge, was sie besonders für jüngere Kinder sehr sympathisch macht. Trotz der Verniedlichung ist aber auf den ersten Blick klar erkennbar, um welche Tierart es sich handelt.

Blick ins Buch ⬇️
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Alina Gries

So ist das Bilderbuch aufgebaut

Das Buch enthält nach der eigentlichen Geschichte einen sachlichen Teil, der das Thema Lichtverschmutzung kindgerecht aufbereitet. Hier werden verschiedene Lichtquellen vorgestellt und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Ein Glossar mit Fachbegriffen rundet das Wissenspaket ab und hilft vorlesenden Erwachsenen, Fragen der Kinder kompetent zu beantworten.

Besonders hervorzuheben ist zudem der soziale Aspekt: Ein Teil der Einnahmen aus dem Buchverkauf wird an den Sternenpark Rhön und das UrwaldProjekt von Wohllebens Waldakademie gespendet. Damit unterstützt der Kauf des Buches direkt den Schutz der Nacht und der Natur.

Positiver Gesamteindruck

Besonders gut gefällt mir, dass das Buch mit der Lichtverschmutzung ein Thema aufgreift, das oft übersehen wird. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie sehr künstliches Licht Insekten, nachtaktive Tiere und den Blick auf die Sterne beeinträchtigt. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich als Kind die Milchstrasse häufiger gesehen habe. Heute ist das nur noch an sehr abgeschiedenen Orten möglich, wie ich das z. B. auf meiner Südafrikareise erfahren durfte.

Das Buch schafft es, dieses Problem emotional greifbar zu machen, ohne zu belehren. Die Kombination aus einer spannenden Geschichte und fundiertem Sachwissen am Ende funktioniert hervorragend.

Sehr gut finde ich ausserdem, dass bei den Illustrationen auf übertriebene Vermenschlichung (Kleidung etc.) verzichtet hat. Das macht das Buch glaubwürdiger für die naturpädagogische Arbeit.

Auch die Spendenkomponente ist ein starkes Argument für dieses Buch. Es ist mehr als nur eine Geschichte; es ist ein Beitrag zum Naturschutz.

Und so ganz nebenbei erfahren die LeserInnen und ZuhörerInnen auch etwas über nachtaktive Tiere, was sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht. Sachwissen im Mini-Format – das finde ich von der Autorin elegant gelöst.

Wermutstropfen

Als Rangerin gibt es eine Szene im Buch, die mich etwas irritiert. Auf der Doppelseite, wo die Fledermäuse die Laternen mit ihren Flügeln abschirmen, wird ein Verhalten gezeigt, das in der Realität so nicht stattfindet.

In der freien Wildbahn sind Lichtquellen für Fledermäuse eher ein „Fastfood-Buffet“. Sie jagen dort die angelockten Insekten, anstatt das Licht abzuschirmen. Die Darstellung, dass Fledermäuse sich opfern, um die Lampen abzudunkeln, ist zwar eine schöne metaphorische Lösung für die Geschichte, entspricht aber nicht dem natürlichen Jagdverhalten der Tiere.

Für Kinder ist diese Unterscheidung vielleicht schwer zu treffen, aber für mich als Fachperson bleibt hier ein kleiner Widerspruch zwischen der schönen Geschichte und der biologischen Realität.

Praxis-Tipp:

Da Fledermäuse in der Realität tatsächlich eher das „Fastfood-Buffet“ an den Lampen nutzen würden, empfehle ich dir, an dieser Stelle der Geschichte kurz innezuhalten und einen erklärenden Satz einzubauen. Du könntest zum Beispiel sagen:

„Eigentlich würden Fledermäuse an so einer hellen Laterne erstmal richtig schön viele Insekten fressen, weil die Lichter die Mücken anziehen wie Magneten. Aber Finn ist schlau: Er hat erkannt, dass das Licht für alle anderen Tiere im Wald zu hell und gefährlich ist. Deshalb schlagen Finn und seine Freunde sich nicht die Bäuche mit Insekten voll, sondern schirmen die Lampen ab, damit der Wald wieder dunkel wird und sich alle sicher fühlen können.“

Altersempfehlung

Die Geschichte ist einfach und einfühlsam geschrieben, enthält aber viele wichtige Informationen. Sie ist für ein breites Altersspektrum von etwa 3-10 Jahren geeignet.

Die stimmungsvollen, leicht verniedlichten Illustrationen sprechen besonders jüngere Kinder an, während der Sachteil am Ende auch für ältere Kinder im Grundschulalter spannend ist.

Empfehlung für die naturpädagogische Arbeit

Das Bilderbuch hat eine handliche Grösse (21,5 x 21,5 cm) und eignet sich gut, um es bei Nachtexkursionen oder im Rahmen von Projekten zum Thema „Nacht“ dabei zu haben.

Für jüngere Kindergruppen (ca. 3-5 Jahre) ist das Buch ein guter Einstieg, um über die Angst im Dunkeln und die Bewohner der Nacht zu sprechen.

Mit älteren Kindergruppen (ca. 6-10 Jahre) kann das Buch vielfältig eingesetzt werden:

  • Im Rahmen eines Projekts zum Thema „Lichtverschmutzung“ die Auswirkungen auf Tiere besprechen.
  • Eine Nachtwanderung machen und bewusst auf künstliche Lichtquellen achten.
  • Überlegen, wie man selbst Licht sparen kann (z.B. im Garten, im Zimmer).
  • Den Bezug zur Astronomie herstellen: Warum brauchen wir dunklen Himmel, um Sterne zu sehen?
  • Die Spendenaktion zum Anlass nehmen, um über Naturschutzprojekte wie den Sternenpark Rhön zu sprechen.

Fazit

Trotz des kleinen biologischen Ausrutschers bei der Fledermaus-Szene finde ich das Buch sehr gelungen. Es greift ein hochaktuelles und wichtiges Thema auf, das in Kinderbüchern noch viel zu selten vorkommt.

Die Geschichte spricht die Gemeinschaft an, die Illustrationen sind wunderschön und der Sachteil bietet echten Mehrwert. Dass zudem ein Teil der Einnahmen an sinnvolle Naturschutzprojekte fliesst, macht das Buch zu einer doppelten Empfehlung.

Ich habe das Buch bereits gerne gelesen und bin überzeugt, dass es sich super für die private Vorlesezeit als auch für die naturpädagogische Arbeit in Kita, Kindergarten oder Grundschule eignet.

Von meiner Seite ist das Bilderbuch klar einen Kauf wert. Es öffnet Kindern die Augen für die Nacht – und zeigt, dass Dunkelheit schützenswert ist.

Transparenz und Vertrauen: Ich habe das Bilderbuch von der Autorin geschenkt bekommen. Meine Meinung in diesem Artikel ist jedoch echt und meine eigene. Gegenüber Sachbilderbüchern zum Thema Natur bin ich sehr skeptisch. Ich erhalte keinerlei Provision für diese Empfehlung.

💚 Ich empfehle dir das Buch direkt bei der Autorin zu kaufen. Damit kannst du ihre Arbeit am besten Unterstützen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Noch mehr Artikel für dich

Hi, ich bin Madeleine!

Hi, ich bin Madeleine!

Rangerin und Waldpädagogin

Und ich unterstütze dich dabei, deine naturpädagogische Arbeit zeitsparender und mit viel Naturwissen zu planen.

Wald von Ameise bis Zaunkönig: Das ist mein Motto bei der Arbeit und meine persönliche Haltung. Denn es gibt in der Waldpädagogik nicht DIE eine richtige Methode oder die eine Arbeitsweise. Es gibt nur das, was du daraus machst.

Mein Wunsch ist es, dass du herausfindest, wofür dein Herz brennt. Denn dann machst du aus einem einfachen Waldtag eine echte Naturschutz-Aktion!

Lass uns zusammen, den Kindern die Schönheiten unserer einzigartigen Welt zeigen.

Du brauchst schnell Inspirationen für deine Arbeit?

.