Wie du ein Waldbad oder eine Wald-Führung mit Sachwissen aufpeppst

5. Aug 2022 | Natur- und Umweltschutz, Vögel, Weiterbildung, Wildtiere, Wissenswertes über den Wald | 0 Kommentare

Du arbeitest als WaldpädagogIn, WaldbadenleiterIn, NaturpädagogIn oder in einem ähnlichen Beruf? Dann ist dieser Artikel genau für dich.

Denn wir stehen in der verantwortungsvollen Position unsere TeilnehmerInnen richtig in den Wald zu führen und sie gezielt für die Natur zu sensibilisieren.

Aber erst mal von vorn…

Warum es wichtig ist, Sachwissen zu vermitteln

Wenn du mir schon eine Weile folgst, dann weisst du, dass ich die Meinung vertrete, dass es nur über Wissen möglich ist, Wildtiere und die Natur zu schützen. Denn nur wenn wir wissen wie die Tiere leben und warum sie sich entsprechend verhalten, dann können wir ihnen richtig helfen.

Verfügen wir über kein oder nur ganz einfaches Wissen, dann müssen wir raten. Nicht selten interpretieren wir dann dem Tier menschliches Verhalten oder Charaktereigenschaften zu, die es aber gar nicht hat.

Dazu ein kleines Beispiel aus meiner Praxis. Ein Kohlmeisen-Ästling sitzt am Boden und fliegt nicht weg, wenn sich eine Person nähert. Die Person erkennt, dass es sich um einen Jungvogel handelt und geht automatisch davon aus, dass dieser aus dem Nest gefallen sein muss. Denn er sitzt ganz alleine, ohne seine Eltern, am Boden. Die Person nimmt den Vogel mit und bringt ihn zur Tierhilfe.

In Wahrheit entführt die Person die junge Kohlmeise und nimmt sie seinen Eltern weg. Ästlings-Vögel können zwar noch nicht richtig fliegen, sind aber dabei es fleissig zu lernen. Auch wenn die Eltern nicht in der Nähe sind, so wird der Jungvogel noch immer von ihnen gefüttert.

Hätte die Person den Kohlmeisen keine menschlichen Eigenschaften zugeschrieben (Eltern lassen ihre Kinder nicht allein), dann wäre das nicht passiert.

Ich erwarte nicht, dass jeder Mensch über grundlegendes Wissen über Wildtiere verfügt. Hätte aber die Person in diesem Fall einfach mal aus Distanz den Jungvogel beobachtet, so hätte sie bald festgestellt, dass der Jungvogel doch nicht alleine ist und sie sich keine Sorgen zu machen braucht.

Fälle wie den oben genannten, könnte ich hier einige Auflisten, zu vielen verschiedenen Tierarten. Und genau deswegen stehen wir alle, die in irgendeiner Weise Menschen oder Gruppen in den Wald führen, in der Pflicht entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ganz egal welchen grün-sozialen Beruf du ausübst. Ganz egal ob du nun WaldbadenleiterIn, WaldpädagogIn, ErlebnispädagogIn, Nature Guide, Naturtherapeut oder sonst was bist.

DU! Genau DU, der diesen Artikel liest, hast einen verantwortungsvollen Job!

DU, führst Menschen in den Wald und möchtest, dass diese Menschen vom Wald lernen.

Hilf ihnen dabei!

Sachwissen vermitteln, ohne ein Studium besucht zu haben

Ein viel verbreiteter Irrglaube ist, dass man Biologie studiert haben muss, um Menschen Naturthemen näher zu bringen.

Das ist natürlich völliger Humbug!

Wichtig ist, dass du als leitende Person bereit bist, dich regelmässig weiterzubilden und nicht jeden Scheiss glaubst, den du irgendwo im Internet liest.

Im Übrigen heisst es noch lange nicht, dass Biologen ihr Wissen gut vermitteln können. Pädagogisch-didaktisches Geschick ist für eine leitende Person mindestens genauso wichtig.

Was aber kannst du tun, wenn du zukünftig mehr Sachwissen in deine Gruppen-Anlässe einbauen möchtest?

Verantwortungsvolle Quellen suchen und abspeichern

Selbstverständlich ist es kein Verbrechen, sich seine Informationen im Internet zusammenzusuchen. Allerdings solltest du aufpassen woher du deine Informationen beziehst.

Wikipedia ist KEINE zuverlässige Quelle.

Auch Facebook-Gruppen und Blogs von einschlägigen, extremen Gruppierungen (z.B. Jagdgegner, Tierschützer) bringen dir keine echten und verlässlichen Informationen. Zweiteres verbreitet leider auch viel zu oft Fake-News, damit sie ihre Ziele erreichen können.

Suche dir deine Informationen stattdessen auf offiziellen Plattformen, idealerweise sogar solche mit wissenschaftlichem Hintergrund. Lege dir dazu am besten deine ganz eigene Linksammlung an und speichere sie ab.

Hier ein paar meiner liebsten Quellen:

NABU Deutschland (Vögel, Insekten)

Schweizerische Vogelwarte (Vögel)

Cornell Lab of Ornithology (Vögel)

waldwissen.net (Bäume, Waldökologie, Waldbewirtschaftung)

karch.ch (Reptilien, Amphibien)

Wildtier Schweiz (Säugetiere)

Regelmässig Weiterbildungskurse besuchen

Nur wenn du dich regelmässig weiterbildest, bleibt dein Geist offen für Neues. Ich empfehle dir darum auch nach abgeschlossener Ausbildung, dich immer wieder in verwandten Bereichen weiterzubilden.

Seit meine Mama-Pause vorbei ist, nehme auch ich mir immer wieder Zeit für Fort- und Weiterbildungen. Aktuell absolviere ich gerade einen Kurs in Vogel-Biologie beim Cornell Lab of Ornithology.

Spätestens seit Corona, ist das Teilnehmen an Kursen auch sehr einfach geworden. Viele grosse Kursanbieter, stellen ihre Kurse auch online zur Verfügung.

Gute und spannende Kurse findest du z.B. in örtlichen Naturschutzvereinen, beim örtlichen NABU, bei den Naturwachten oder Ranger-Diensten. Auch Natur- und Nationalparks bieten immer wieder spannende Exkursionen an, auf denen du viel Wissen für dich und deine Gruppe mitnehmen kannst.

Bei mir kannst du ebenfalls immer wieder Fortbildungskurse besuchen. Wie zum Beispiel der Grundkurs über die Eulen Europas, der diesen Oktober 2022 in die nächste Runde geht.

Gute Bestimmungsliteratur zur Hand haben

Bestimmungsbücher haben meine Exkursionen schon oft gerettet. Erstens bieten sie Anschauungsmaterial, wenn das Tier gerade nicht zu sehen ist und zweitens steht dort auch immer viel nützliches drin. Es lohnt sich also auch ein Bestimmungsbuch zu kaufen, um es einfach mal zu lesen.

Richtig gute Bestimmungsbücher findest du im Kosmos-Verlag. Eines das ich dir unbedingt ans Herz legen möchte ist der grosse Kosmos-Naturführer*. Das ist zwar ein schwerer Schinken, aber er beinhaltet so unglaublich viele tolle Bilder und super Informationen. Ich schleppe ihn auf jede Führung mit, denn man weiss nie, wenn man der Gruppe etwas zeigen möchte.

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Kritisch sein und nicht alles glauben

Gewöhne dir an, dass du neue Informationen aus dem Netz oder von anderen Personen, erst mal hinterfragst. Wie schon geschrieben, es geistern leider viel zu viele Falschinformationen im Internet herum.

Wenn ich zum Beispiel in Facebook-Gruppen etwas lese, dann kommentiere oder like ich erstmal nicht. Sondern ich suche in „meinen“ Quellen erst mal nach einem Beweis, ob das so stimmt, was ich gelesen habe.

Im Übrigen ist sich auch die Wissenschaft über bestimmte Themen nicht immer einig. Bekanntes Beispiel ist das Schlagen von Mondholz, welches widerstandsfähiger sein soll. Hier widersprechen sich sogar verschiedene Studien.

Eine kritische Haltung hilft dir möglichst objektiv zu bleiben. Und so ganz nebenbei lernst du bei der Suche nach der Wahrheit neue Informationen kennen.

Beobachtungen dokumentieren

Du bist sicherlich nicht nur mit deiner Gruppe viel im Wald unterwegs, sondern auch für dich allein.

Dabei wirst du viele spannende Dinge entdecken und beobachten. Wie zum Beispiel die Blüten einer Fichte oder ein Specht der gerade seinen Wellenflug fliegt.

Halte deine Beobachtungen fest. Sei es in einem hübschen Notizbuch oder auch nur mit ein paar Fotos.

Gezielte Beobachtungen helfen dir dein Wissen durch Erfahrungen zu bereichern. Und du darfst mir glauben, wenn ich sage, dass dir diese Beobachtungen viel besser im Gedächtnis bleiben, als alle wissenschaftlichen Texte zusammen.

Falls du ein Talent zum Zeichnen hast, dann solltest du deine Beobachtungen unbedingt grafisch festhalten. Es gibt schliesslich nicht tolleres, wie wenn du deiner Gruppe deine eigenen Beobachtungen zeigen kannst.

Konkrete Anwendungsbeispiele

Du weisst jetzt, wo und wie du dir Sachwissen aneignest, welches du später in deinen Führungen weitergeben kannst. Nun geht es darum, dass du dieses Wissen für deine TeilnehmerInnen hübsch verpackst. Du möchtest ja schliesslich niemanden mit einem öden Vortrag langweilen.

Nachfolgend findest du drei Methoden, die sich alle auch auf andere Tier- oder Baumarten anpassen lassen.

Die drei Übungen eignen sich sowohl für Kinder- als auch für Erwachsenengruppen. Hier liegt es an deinem pädagogischen Geschick, die Aufträge entsprechend zu formulieren.

Tiere auf Nahrungssuche

Sachwissen hinter der Übung (Beispiel Grünspecht): Der Grünspecht ist ein Erdspecht und sucht seine Lieblingsnahrung (Ameisen) am Boden.

Ablauf: Du verteilst auf einer Wiesenfläche (ca. 10×10 Meter) ca. 40 Wollfäden in verschiedenen Farben. Die Teilnehmenden haben nun etwa 2 Minuten Zeit, möglichst alle Wollfäden zu finden.

Ist die Gruppe grösser als 5 Personen, empfehle ich die Gruppe zu teilen und die Übung nacheinander oder auf zwei Spielfelder zu machen.

Tipp: Nimm verschiedene Farben. Leuchtende Farben sind einfacher zu finden, als Braun- und Grüntöne.

Variation: Anstatt Wollfäden kannst du die Teilnehmenden auch Plüschmäuse suchen lassen (bevorzugte Nahrung von Eulen) oder ihr sucht mit der Becherlupe Käfer und Würmer, die echte Nahrung für viele Wildtiere sind.

Orientierung anhand von Geräuschen

Sachwissen hinter der Übung (Beispiel Eulen): Für Eulen ist es extrem wichtig, dass sie ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen können. Denn nur so haben sie die Chance, über ihr Gehör ihre potentielle Beute in der Dunkelheit zu lokalisieren (es ist ein Mythos, dass Eulen bei kompletter Dunkelheit sehen können).

Ablauf: Immer zwei TeilnehmerInnen tun sich zusammen. Eine Person verbindet die Augen. Die andere nimmt zwei Stöcke in die Hand und schlägt sie gegeneinander. Die Person mit den geschlossenen Augen folgt nun den Schlaggeräuschen.

Tipp: Je nach Alter der teilnehmenden Personen, können einfachere oder schwierigere Wege gewählt werden.

Variation: Geräusche zu lokalisieren ist für viele Tiere wichtig. Diese Übung kann z.B. 1:1 für den Luchs übernommen werden (Sachwissen anpassen). Durch das Klopfen mit den Ästen kann auch die Kommunikation der Spechte erklärt werden.

Natur-Memory

Sachwissen hinter der Übung (Beispiel Säugetiere): Die Teilnehmenden lernen die Artenvielfalt von einheimischen Tieren kennen.

Vorbereitung: Suche dir im Internet Fotos von einheimischen Säugetieren zusammen, die du vorstellen möchtest. Drucke sie jeweils in zweifacher Ausführung auf A5 aus. Die Grösse ist wichtig, um mehr Details zu erkennen.

Ablauf: Memory kennen fast alle. Die Bilder werden mit der Bildseite nach unten, auf den Boden gelegt. Person 1 beginnt und dreht zwei Bilder um. Passen sie zusammen, dann darf die Person noch zwei weitere Bilder drehen. Passen sie nicht zusammen, dann ist die nächste Person an der Reihe.

Idealerweise spielen etwa 3-4 Personen zusammen. Eine gute und kostenlose Adresse für lizenzfreie Bilder ist https://pixabay.com/de/

Tipp: Wenn du das Bilder-Memory öfter machst, dann laminiere die Bilder.

Variation: Du kannst das Memory mit allen erdenklichen Tieren und Pflanzen machen. Du kannst es auch direkt mit Naturmaterial machen. Wenn deine TeilnehmerInnen z.B. das Herbstlaub beobachten sollen, dann kannst du immer zwei Blätter vom gleichen Baum auf den Boden legen und einen Becher darüberstülpen.

Noch ein paar Gedanken zum Abschluss

Bravo! Wenn du bis hierher gelesen hast, dann zeigt das, dass du die Wichtigkeit erkannt hast. Dir ist bewusst, wie wichtig es für unsere einzigartige Umwelt ist, dass wir über sie Bescheid wissen. Und dir ist auch bewusst, dass DU eine Vorbildrolle in deiner Funktion als Gruppenleitung übernimmst.

Wenn du wie ein Vorbild handelst und die Verantwortung übernimmst, deinen Teilnehmenden neues Wissen zu vermitteln, dann leistest du einen enorm wichtigen Beitrag an den Naturschutz.

Nur so hat unsere einzige Heimat, überhaupt eine Chance weiter zu existieren.

Vielen Dank für dein Wirken und bis bald im Wald 💚

Madeleine

Die geheimnisvollen
Waldbewohner

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Hier schreibt Madeleine Gersbach

Hier schreibt Madeleine Gersbach

Rangerin und Feldornithologin

 

Ich bin Mami, Wald-Liebhaberin und Teilzeit-Bloggerin. Auf meinem Blog schreibe ich über meinen Beruf als Rangerin, Aktuelles aus dem Wald und natürlich über mich als Person.

Ausserdem zeige ich dir die schönsten Plätze im Zürcher Unterland.

 

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