Update: 11.9.2026
Liebe Wald- und Naturpädagogin, lieber Naturpädagoge
Hi, mein Name ist Eichhörnchen, und ich räume heute mit gleich acht Behauptungen über mich auf! Ja, du hast richtig gelesen: Acht!
Es wird nämlich langsam Zeit, dass du endlich mal die ganzen wahren Fakten über uns Europäische Eichhörnchen erfährst. Denn teilweise geistern da echt verrückte Vorstellungen von uns durch die Köpfe – und das will ich als stolzer Vertreter meiner Art nicht länger hinnehmen!
Also, schnall dich an, es geht rund in den Baumkronen.
Mythos Nummer eins: «Die braunen und roten Eichhörnchen sind zwei verschiedene Arten.»
Ernsthaft? Komm schon, schau mal genauer hin! Nur die Fellfarbe unterscheidet uns 👩🏼🧑🏾👩🏻🦰 Das ist wie bei euch Menschen – ihr habt ja auch unterschiedliche Haar-, Augen- und Hautfarben. Aber deswegen seid ihr doch nicht gleich eine andere Art!
Also, nochmals: Wir sind alle Eichhörnchen, egal ob rot oder braun 🐿️ Ein Wissenschaftler würde sagen: Sciurus vulgaris. Eine grosse, glückliche Familie von Nussliebhabern. Die Fellfarbe hängt oft einfach vom Lebensraum und der Jahreszeit ab.
Aber Obacht! Wir werden häufig mit unseren Verwandten aus Nordamerika den Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verwechselt. Das Grauhörnchen ist keine Farbvariante, sondern eine eigene Art. Leider wurde sie nach Grossbrittanien eingeführt und macht uns nun den Lebensraum streitig, weil sie grösser und stärker sind, als wir 🙁


Mythos Nummer zwei: «Eichhörnchen sind Vegetarier und essen nur Nüsse.»
Ja, wir lieben Nüsse, das stimmt 🌰 Aber weisst du was? Wir sind keine Hardcore-Vegetarier! Wir sind ziemlich flexibel in unserer Ernährung. Wir futtern auch gerne Beeren, Pilze und sogar Insekten.
Aber es gibt noch etwas, das du wissen solltest: Wir sind auch ziemlich geschickte Jäger. Ja, du hast richtig gehört! Wir können kleine Vögel und Mäuse erbeuten 🏹 Besonders im Frühling, wenn wir viel Protein für den Nachwuchs brauchen, steht mal ein Ei oder ein kleiner Wirbel auf dem Speiseplan.
Na, überrascht? Ich sag doch, du kennst uns viel zu wenig. Wir sind wahre Gourmet-Esser und probieren gerne mal was Neues.
Apropos Abwechslung…
Mythos Nummer drei: «Eichhörnchen leben in Gruppen.»
Echt jetzt? Hast du jemals eine Horde Eichhörnchen gesehen, die gemeinsam Yoga praktiziert oder Karten spielt? 🧘🧘🏾♀️🧘🏼♂️ Nein, wir sind keine Rudeltiere. Wir sind eher so die Einzelgänger-Typen, die ihr eigenes Ding machen.
Klar, wir treffen uns manchmal, um ein bisschen zu flirten oder zu streiten, aber im Grossen und Ganzen sind wir unabhängige Freigeister. Jedes Eichhörnchen hat sein eigenes Revier, das es verteidigt. Macht das nicht auch irgendwie Sinn? Schliesslich sind wir Eichhörnchen und keine Hipster-Kommune!
Und jetzt zu…
Mythos Nummer vier: «Eichhörnchen machen einen Winterschlaf.»
Nun, das stimmt so einfach nicht 🤷♀️ Wir Eichhörnchen chillen zwar viel über den Winter und halten eine Winterruhe, aber Winterschlaf ist dann doch eher etwas für Fledermäuse und Igel 🦇
Wir verbringen viel Zeit in unseren gemütlichen Nestern, schlafen und essen von den Vorräten, die wir im Herbst gesammelt haben. Aber das heisst nicht, dass wir komplett inaktiv sind. Es gibt immer noch einige kurze Ausflüge zur Nahrungssuche, um unseren Energiehaushalt aufrechtzuerhalten. Bei mildem Wetter siehst du uns bestimmt mal blitzschnell durch den Schnee huschen.
Also, wir machen einfach ein voll gemütliches Winter-Chill-Out, um dann fit in den Frühling zu starten 🌷
Soweit, so gut – aber jetzt wird’s richtig spannend…

Mythos Nummer fünf: «Eichhörnchen sind vergesslich.»
Oh, dieses Gerücht nervt mich gewaltig 😤 Es hält sich hartnäckig, dass wir so vergesslich sind und unsere Verstecke nicht mehr finden. Quatsch! Wir haben ein hervorragendes räumliches Gedächtnis. Wir merken uns tausende von Verstecken und nutzen sogar Landmarken in der Umgebung, um sie wiederzufinden.
Ja, klar, manchmal geht eine Nuss verloren, aber nicht, weil wir dumm sind! Oft verstecken wir bewusst mehr, als wir brauchen (auf Vorrat!), oder sie wird uns von einem frechen Artgenossen geklaut. Dass Bäume daraus wachsen, ist ein toller Nebeneffekt für den Wald, aber kein Versehen aufgrund von Vergesslichkeit. Wir sind ziemlich schlau, wenn es um unser Futter geht!
Mythos Nummer sechs: «Eichhörnchen benutzen ihren Schwanz im Winter als warme Decke.»
Haha, die Vorstellung, ich wickel mich nachts ein wie in eine Bettdecke, ist ja niedlich 😂 Aber ganz so aktiv ist das nicht. Der Schwanz ist super wichtig – keine Frage! Er hilft mir beim Balancieren auf dünnen Ästen und ist mein wichtigstes Signalorgan, wenn ich mit anderen kommuniziere.
Im Winter lege ich ihn zwar oft um meinen Körper, ja. Das dient aber eher als isolierendes Polster und als «Sitzkissen», damit ich nicht direkt auf dem kalten Ast sitze. Die eigentliche Wärme kommt aber von meinem super dichten Winterfell am Körper. Der Schwanz ist also eher eine zusätzliche Isolierschicht und keine aktive Decke, die ich mir überziehe.
Mythos Nummer sieben: «Eichhörnchen fressen hauptsächlich Eicheln.»
Puh, wegen meines Namens denken alle, ich würde mich im Herbst nur von Eicheln vollstopfen 🤦♀️ Das ist aber gar nicht so toll für mich! Eicheln enthalten nämlich viele Gerbstoffe. Wenn ich zu viele davon esse, bekomme ich davon Bauchweh und Durchfall.
Im Herbst bevorzuge ich deshalb viel lieber fettreiche Nüsse wie Haselnüsse, Bucheckern oder Samen von Zapfen. Die geben mir die Energie für den Winter, ohne meinen Magen zu reizen. Eicheln fresse ich eher als «Notfutter» im späten Winter, wenn alles andere aufgebraucht ist, oder nur in kleinen Mengen. Mein Name ist also ein bisschen irreführend, findest du nicht auch? 🤔

Mythos Nummer acht: «Eichhörnchen können nur kopfüber den Baum hinunterklettern.»
Das ist fast richtig, aber das Wort «nur» macht es falsch! Ja, wir sind eine der wenigen Tierarten, die kopfüber (mit dem Kopf nach unten) den Stamm hinuntersausen können. Das liegt an unseren super gelenkigen Hinterfüssen, die wir um 180 Grad drehen können. Mega cool, oder? 😎
Aber wir können auch «normal» oder sogar rückwärts (mit dem Kopf nach oben, aber den Körper rückwärts bewegend) den Baum hinuntergehen, besonders wenn wir vorsichtig sein müssen oder etwas im Maul tragen. Es ist wie bei euch Menschen: Vorwärts geht’s meistens schneller, aber rückwärts könnt ihr auch gehen, oder? Wir sind also nicht auf eine Methode festgelegt, sondern wahre Akrobaten, die alle Varianten beherrschen!
Fazit: Wir sind komplexer als du denkst!
Also, ich hoffe, ich konnte heute endgültig ein paar Dinge klarstellen. Wir Eichhörnchen sind keine getrennten Arten, sondern einfach nur bunt gemischt. Wir sind keine Hardcore-Vegetarier, sondern probieren gerne mal etwas Neues – auch mal ein Ei! Wir leben nicht in Gruppen, sondern sind eher die einsamen Helden der Baumkronen. Und wir verschlafen nicht den Winter, sondern sind einfach nur gechillt.
Wir sind keine Vergesslichkeitskünstler, unser Schwanz ist keine aktive Decke, Eicheln sind nicht unser Lieblingsessen und wir können mehr als nur kopfüber klettern!
So, ich hoffe, du hast etwas dazu gelernt und erzählst doch bitte deinen Freunden und deinen Gruppen von den wahren Abenteuern der Eichhörnchen. Wir sind es wert, genau verstanden zu werden!
Kletter-Liebe und nussige Grüsse,
Dein Eichhörnchen 🐿️
PS: Umsetzungsideen
Du willst über die 8 Themen etwas auf deinen Naturführungen machen? Mega cool 😊
Dafür habe ich dir die passenden 8 Umsetzungsideen in einem handlichen PDF zusammen gefasst. Du kannst es direkt hier herunterladen ⬇️
PPS: Weiterführende Links
Du willst mehr über uns erfahren? Dann habe ich dir hier ein paar spannende Links für dich:
🔗 Eichhörnchen im Herbst – NABU BW
🔗 Bewegungsstudie: Eichhörnchen, die Supersportler – Spektrum der Wissenschaft
🔗 Eichhörnchenstation Buttwil – Die Anlaufstelle für verletzte und verwaiste Eichhörnchen
🔗 Eichhörnchenpflegestation – NABU Norderstedt
🔗 Eichhörnchen zeigen, wie gut Städte für Wildtiere vernetzt sind






Super Idee! Wie ist es denn mit den grauen Eichhörnchen, sind die eine eigene Art?
Liebe Birgit
Du meinst vermutlich das Grauhörnchen https://de.wikipedia.org/wiki/Grauh%C3%B6rnchen. Das Grauhörnchen stammt jedoch aus Nordamerika und ist bei uns nicht heimisch. Im 19. Jahrhundert wurden die Grauhörnchen bewusst nach Grossbritannien eingeführt. Damals wusste man noch nicht, welche Auswirkungen eine Gebietsfremde Art auf einheimische Arten haben kann. Heute achtet man darauf, dass sich das Grauhörnchen nicht weiter vermehrt, da es das Europäische Eichhörnchen zurückdrängt.
Die Klartext-Geschichten der kleinen Nager sind nicht nur faszinierend, sondern bieten auch eine unterhaltsame Perspektive auf die Natur. Eichhörnchen sind wahre Meister der Akrobatik, und eure Beschreibungen lassen uns ihre Welt mit anderen Augen sehen.
Viele Grüsse,
M. Huber
Schön, dass dir der Beitrag gefällt. LG Madeleine